Segeln in der Karibik
 
SWAN 43

Rasmus

 

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14.01.07

Törn 2 - Qual der Wahl und Verantwortung

Manchmal bekommt man im Leben eine zweite Chance. Und deswegen möchte ich gleich am Anfang dieses Berichtes (und sozusagen als Ergänzung zu Törn 1a - oder Trinidad liegt ganz woanders aus dem Jahre 2002) festhalten, dass wir jeden, wirklich jeden Morgen (auch an dem Morgen, an dem wir schon um 7:30 lossegeln mussten) nicht nur unterhaltsame, sondern mitunter auch hochgeistige Frühstückskonversation gepflegt haben. Und Martin! Das von Simone unschuldig ins Frühstücksspiel gebrachte Wort Phenylalaninquelle (das sich bedeutend einfacher liest als ausspricht) als erster stotterfrei wiederholen konnte. Aus dem nichts. Noch vor dem ersten Kaffee.

Sara und ich können, als sozusagen praktizierende Morgenmenschen, diese Höhepunkte des sofort nach dem allgemeinen Aufwachen um sich greifenden, munteren Treibens, lächelnd und schweigend bezeugen!

Schweigen sollten wir wahrscheinlich auch über die morgendliche Polsterschlacht von Martin und Robert – jeder Bub (oder jede Partei?) hatte seine Mittschiffskoje zu einer kleinen Festung ausgebaut und war wohl zu Recht stolz über jeden linsenlos erzielten Treffer.

Der Auslöser nicht vom, sondern ein Fotoapparat…

Obwohl uns wedelnde Geschirrtücher ein bissel die Sicht nahmen, kam ebenjener Fotoapparat eines Abends ganz schön zum Einsatz, als sich die beiden als absolut unterhaltendes Abwasch-Dream-team erwiesen: sie haben miteinander?! Getanzt, das Reibeisen mit dem Kochlöffel gespielt, den unterschiedlichen Klang von Süß- und Salzwasserhahn gekonnt eingesetzt und gesungen.

Es versteht sich von selbst, dass sie zu alldem im Takt gepumpt, gespült, getrocknet haben!

Aber so überaus taktvoll sein macht ja eigentlich nur Spaß in Begleitung von charmanten Damen – vor allem dann, wenn sie das Verständnis besitzen, im Grossen und Ganzen über die Tatsache hinwegzusehen, nicht die erste Wahl gewesen zu sein…

Und warum Sara und Simone das nicht waren, ist im Nachhinein betrachtet niemandem so richtig klar – die beiden gegen einen männlichen Mitsegler eintauschen wollen kann nur, wer sie nicht gut genug kennt…

Wer, wenn nicht Simone, kann Martin bei diversesten Spielen das Siegen streitig machen? Wer, wenn nicht Sara, schaut darauf, dass es allen immer gut geht? Wäre es jemand anderem als den beiden eingefallen den Vorhang zum Vorschiff als “schalldicht” zu bezeichnen und ihn ebenso zu verwenden? Mit wem, lieber Martin, lieber Robert, hättet ihr zu Silvester getanzt? Und mit wem hättet ihr euch bei diversesten Landausflügen nicht nur unterhalten, sondern auch noch schmücken können?

Das wird zu viel. Genug! Genug!

Jetzt müssen alle, die es nicht miterleben durften, natürlich noch wissen, dass Martin bei und für diesen Urlaub die gesamte Verantwortung trug. Freiwillig. Und das ist natürlich eine ganz beachtliche Aufgabe, die für so manch andere Tätigkeiten keine Zeit mehr ließ.

Sehr gut also, dass sich Robert als unermüdlicher und verlässlicher Ankermann erwies, der den "Mädels" auch gerne beim Setzen und Bergen der Segel zur Hand ging. Und toll, dass Simone und Sara viel Spaß am Steuer hatten – trotz oder gerade wegen der natürlich nur verantwortungsvollen Überprüfung durch Martins GPS?!

Wenig fällt mir ein, für das nicht Martin die Verantwortung zu tragen hatte, und was passiert, wenn man glaubt sie umgehen zu können habe ich selber erlebt: das von mir aufgehängte Badetuch von Sara ist ebenso verschwunden wie das auch von mir aufgehängte garderobenverlängernde, weil neu gekaufte T-Shirt von Martin!! Oder ist es doch seine Verantwortung – weil ja er gerade an jenem Fleck geankert hat, an dem dann eine Böe offensichtlich…

Zurück zu anderen Dingen.

Betty und Bob aus Oklahoma z.B., die sich just an dem Abend und in der Bar einen Song nach dem anderen wünschten, an dem und in die sich die mutige Simone vom immer ausgehfreudigen Martin in dunkler Nacht rudern ließ!!.

Wir, die wir am Schiff zurückgeblieben sind, haben nicht nur die immer leiser werdenden Ruderschläge akustisch mitverfolgt, sondern auch die Musik und Stimmung in der Bar. Über die wahre, uns von Dieter näher gebrachte Bedeutung des Liedes "You choose the wrong time to leave me Lucille" mussten wir uns mit ganz Schön vielen Lindtschokoladentaferln hinwegtrösten.

Gut, dass die vier eine 1 kg Schachtel davon mitgebracht hatten. 1 kg gemischte Lindtschokolade, in ca. doppelter Napserlgröße; unglaublich. Aber gar nicht so schwer zum Wegputzen, vor allem, weil Dieter zu unser aller Wohl, die weniger beliebten Vollmich- und Haselnusstaferln, die in dieser wunderbaren Schachtel immer wieder als eine Art Zwischenschicht übrig blieben, aufgegessen hat. Ich wage jetzt die Behauptung, dass es dann mit uns und Bedacht alle anderen Sorten zuerst aß, um anschließend wieder die Vollmich- und Haselnusstaferlschicht…?!

Naja, da Robert und er sich schon bald als sozusagen leptosome Achse dieses Törns erkannten, kann er sich das ja leisten – und es war wirklich zu unserem Besten!

Wir hatten ja auch noch Weiße-, Vollmilch- und Bitterschokoladentobleronegipfel im Kühlschrank – ein fast unerschöpfliches Lager.

So, und nach all diesen süßen Verführungen jetzt noch ein paar trockene Daten: von Martinique bis nach Grenada waren wir unterwegs, das sind 178 sm, davon sind wir 134 sm gesegelt und 44 sm motort, bis auf den einen oder anderen Regenguss war das Wetter so wie man sich’s in der Karibik vorstellt, und nur einmal haben wir wegen relativer Kälte und absoluter Nässe unter Deck zu Abend gegessen.

Und, ganz wichtig, die beim Aufbauen des Sonnensegels erreichten Geschwindigkeiten sind rekordverdächtig!

So, dass war’s von diesem Törn, und sollten wir nach diesem Bericht eine weitere Chance brauchen, hoffen wir, dass die vier sie uns geben, indem sie sehr bald einmal wiederkommen!

Barbara
Grenada, Benji Bay am 21. Februar 2007

PS: Wer von Euch kann aus dem Törnbericht herauslesen aus welchem Land Simone, Sara, Robert und Martin kommen?

Fotos:

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